Talking Mats

Talking Mats App auf Deutsch

Talking Mats ist eine Methode zur Gesprächsstrukturierung und Kommunikationsunterstützung, die von Sprachtherapeutinnen an der Stirling University entwickelt wurde. Mittlerweile ist Talking Mats als Social Enterprise tätig. Das Material ist in Form von Kartensätzen sowie als App erhältlich. Die deutsche Version der App wurde im Rahmen eines Projekts in Kooperation mit dem Bundesverband für die Rehabilitation der Aphasiker e.V. (BRA) von Prof. Dr. Norina Lauer unter Mitarbeit von Holger Grötzbach übersetzt.

Einen Artikel mit einer Beschreibung von Talking Mats finden Sie hier.

Seminarangebot: 05.-06.05.2019: „Talking Mats – Grundlagen, Prinzipien und praktische Durchführung eines Ansatzes zur Unterstützung von Kommunikationssituationen“, Köln: ProLog

The symbols are designed and © to Adam Murphy 2015
and assigned to Talking Mats Ltd. in perpetuity.
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Weitere Informationen inkl. Informationen zur Forschung zu Talking Mats unter www.talkingmats.com.

Blog von Talking Mats: Talking Mats in German

Talking Mats Foundation Training für Studentinnen der Hogeschool van Arnhem en Nijmegen (HAN)

Monique und Lisbeth, Studentinnen der HAN, nach dem Talking Mats Workshop am 12.10.2018 vor der Ostbayerischen Technischen Hochschule (OTH) Regensburg. Die Studentinnen beschäftigen sich in ihrer Bachelorarbeit mit dem Thema Zielsetzungsgespräche bei Aphasie unter Verwendung von Talking Mats.

Am 06.03.2018 haben sich 6 Studentinnen der HAN auf den Weg nach Heidelberg gemacht, um im Urban Kitchen einen Talking Mats Workshop zu besuchen. Auf der Basis des Workshops haben die Studentinnen in ihren Bachelorarbeiten die Repräsentativität der Items der Talking Mats App bei Kindern sowie bei Erwachsenen mit und ohne Aphasie überprüft.

Talking Mats Foundation Training für Studentinnen der Hochschule Fresenius Idstein

Acht Studentinnen des Bachelorstudiengangs Logopädie der Hochschule Fresenius haben 2017 das Foundation Training zur Anwendung von Talking Mats erfolgreich absolviert.

Auditive Verarbeitungsstörung

Screening für Auditive Verarbeitungsstörungen: Normwerterhebung und Überprüfung der Testgütekriterien bei siebenjährigen Kindern

Im Rahmen von zwei Masterarbeiten konnten für das Screening für Auditive Verarbeitungsstörungen (Lauer, 2014) Normdaten von 200 sprachgesunden Kindern erhoben werden. Diese wurden auf die Einflussfaktoren Geschlecht, Ein- vs. Mehrsprachigkeit und Zugehörigkeit zur ersten und zweiten Klasse überprüft. Hierdurch konnten Normwerttabellen für diesen Altersbereich erstellt werden (Tenhagen, 2018). Darüber hinaus wurden ebenfalls die Testgütekriterien der Reliabilität und der Validität überprüft (Diesburg, 2017). (Poster-Download)

In Planung sind zum einen die Veröffentlichung der Ergebnisse der Arbeiten, um sie für die praktische Anwendung zugänglich zu machen. Zum anderen findet eine Zusammenarbeit mit AudioLog (flexoft, 2011) statt, um die Nutzung der Software für das Screening einfacher zu gestalten.

Diesburg, D. (2017). Reliabilität & Validität des Screenings für Auditive Verarbeitungsstörungen nach Lauer für 7-jährige Kinder. Unveröffentlichte Masterarbeit, RWTH Aachen University.
Flexoft (2011). Audiolog 4. Berlin: Hemera Technologies Inc.
Lauer, N. (2014). Auditive Verarbeitungsstörungen im Kindesalter. Stuttgart: Georg Thieme Verlag.
Tenhagen, A. (2018). Normierung des Screenings für Auditive Verarbeitungsstörungen nach Lauer für 7-Jährige. Unveröffentlichte Masterarbeit, RWTH Aachen University.
Generelle Informationen zu Auditiven Verarbeitungsstörungen

Informationen und Literatur zu Auditiven Verarbeitungsstörungen bei Kindern findet man auch unter den Begriffen

  • Auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung (AVWS)
  • Auditive Wahrnehmungsstörung
  • Auditive Perzeptionsstörung
  • (Central) Auditory Processing Disorders ((C)APD)

Das Störungsbild der auditiven Verarbeitungsstörungen ist in der Fachliteratur umstritten, da die physiologischen Grundlagen immer noch zu wenig erforscht sind und keine Evidenzen dafür vorliegen, dass ein ausschließliches Training der auditiven Verarbeitung zu Verbesserungen höherer kognitiver Leistungen (z. B. der phonematischen Bewusstheit oder des Lesens und Schreibens) führt. Beim Vorliegen von Lese-Rechtschreibstörungen ist ein Training der auditiven Verarbeitung nicht adäquat.

Sofern eine Behandlung der auditiven Verarbeitung erfolgt, sollte engmaschig evaluiert werden, ob dieses eine positive Auswirkung auf andere Funktionen hat. Falls nicht, sollte das Training der auditiven Verarbeitung nicht fortgeführt werde.

Die Behandlung auditiver Verarbeitungsstörungen setzt sich aus folgenden Komponenten zusammen:

1. Beratung von Eltern und Pädagogen (Erzieher, Lehrer)
2. Auditives Training
  • Bottom-up: Training auditiver Teilfunktionen inkl. eines computerunterstützten Trainings mittels geeigneter PC-Programme, wie z. B. AudioLog 4
  • Top-down: Vermittlung von Kompensationsstrategien
3. Modifikation der Hörumgebung (v.a. schulisches Umfeld)

Abzuraten ist von der Behandlung mit technischen Hilfsmitteln, z.B. zum Ordnungsschwellentraining, Lateraltraining oder der Tomatis-Therapie. Es gibt keine Evidenzen, dass diese Methoden zu nachhaltigen Verbesserungen der Symptomatik führen.

Das nebenstehende Buch stellt den aktuellen Stand der Forschung dar. Einen Einblick in die aktuelle Evidenzlage erhalten Sie auch im Artikel:

Lauer, N. (2014). Evidenzbasierte Betrachtung auditiver Verarbeitungsstörungen. Forum Logopädie, 1, 2-9.

Buch zu auditiven Verarbeitungsstörungen

Akalkulie

Akalkulien sind Störungen im Umgang mit Zahlen und beim Rechnen (Ardila & Rosselli, 2002, Grafman & Rickard, 1997), die als Folge einer Hirnschädigung bei Erwachsenen auftreten können.

Es können sich folgende Störungen zeigen (Willmes-von Hinckeldey, 2006):

  1. Störungen des Transkodierens (Verstehen, Schreiben und (lautes) Lesen von Zahlen
  2. Störungen der quantitativen Größenrepräsentation (mentale Verarbeitung von numerischen Quantitäten, wie z.B. beim numerischen Größenvergleich)
  3. Störungen der Verarbeitung von Rechenzeichen
  4. Störungen der (mündlichen/schriftlichen) Rechenfähigkeit

Zur Diagnostik von Akalkulien, die begleitend zu Aphasien auftreten, kann das Aiblinger Akalkulkie Screening genutzt werden (Keller & Maser, 2004).

Eine Behandlung der Akalkulie sollte erfolgen, wenn der Patient in einen Beruf zurückkehren möchte oder einen neuen Beruf erlernen soll, bei dem der Umgang mit Zahlen und Rechnen erforderlich sind. Zudem sollte die Akalkulie behandelt werden, wenn die Störungen Fähigkeiten betreffen, ohne die ein selbständiges Alltagsleben nicht mehr möglich ist, wie z. B. der Umgang mit Geld oder das Uhrablesen. Entscheidend ist, dass ein gezieltes Üben von Aufgaben stattfindet, bei denen der Patient Schwierigkeiten hat, und kein „gemischtes Rechenprogramm“ angeboten wird (Cramon & Zihl, 1988).

Neben der Behandlung grundlegender Fähigkeiten des Lesens und Schreibens von Zahlen, des Erkennens von Rechenzeichen und einfacher Rechenoperationen, sollte aber auch die alltagsorientierte Umsetzung einen Schwerpunkt der Behandlung darstellen. Alltagsorientierte Aufgaben stellen im Sinne der ICF einen wichtigen Beitrag zur Teilhabe dar (Lauer, 2011). Das Training alltagsorientierter Aufgaben, wie z. B. das Lesen von Uhrzeiten und der Umgang mit Geld, kann durch neu zur Verfügung stehende iPad-Apps oder andere Programme ergänzt werden. Beispiele hierfür sind:

Eine Übersicht zu einsetzbaren Apps befindet sich in der Tabelle Apps für Akalkulie.

Übungsordner

Literatur

Ardila, A. & Rosselli, M. (2002). Acalculia and dyscalculia. Neuropsychological Review 12: 179-231.

Cramon, von D. & Zihl, J. (1988). Neuropsychologische Rehabilitation. Heidelberg: Springer.

Grafman, J. & Rickard, T. (1997). Acalculia. In: Feinberg T. E. & Farah M. J. (Eds.). Behavioral neurology and neuropsychology. New York: McGraw-Hill, 219–225.

Keller, I. & Maser, I. (2004). Aiblinger Akalkulie Screening AAS. Hofheim: NAT-Verlag.

Lauer, N. (2011). Alltagsorientierter Umgang mit Zahlen. Eine Übungssammlung für Menschen mit neurologisch bedingten Problemen bei Zahlenverarbeitung und Rechnen. Köln: ProLog.

Willmes-von Hinckeldey, K. (2006). Akalkulie. In: Karnath, H.-O., Hartje, W. & Ziegler, W. (Hrsg.). Kognitive Neurologie. Stuttgart: Thieme.

Sprechapraxie

„Die Sprechapraxie ist eine phonetisch-motorische Störung bei intakten phonologischen Fähigkeiten, bei der es zu intra- und interartikulatorischen zeitlichen und räumlichen segmentalen und prosodischen Abweichungen kommt“ (Mc Neil, Robin & Schmidt, 1997).

Häufig tritt eine Sprechapraxie zeitgleich mit einer bukkofazialen Apraxie, einer Aphasie und/oder Dysarthrie auf. Dennoch sind die genannten Störungsbilder voneinander dissoziiert, so dass die Behandlung auf die jeweilige Störung direkt auszurichten ist.

Die Symptome der Sprechapraxie zeigen sich in den Bereichen

  • Artikulation (v.a. phonetische, aber auch phonologische Fehler)
  • Prosodie (Redefluss- und Akzentuierungsfehler)
  • Sprechverhalten (z. B. artikulatorische Suchbewegungen)

Zur Diagnostik leichter bis mittelgradiger Sprechapraxien stehen die Hierarchischen Wortlisten (HWL) zur Verfügung (Liepold et al., 2003). Sie können über die Seiten der Entwicklungsgruppe Klinische Neuropsychologie kostenlos heruntergeladen werden. Zur Erleichterung der Auswertung kann eine Excel-Tabelle genutzt werden, die von Lauer (2010) entwickelt wurde.

Anmerkung zur Excel-Tabelle: Nur die gelben Zellen mit Zahlen ausfüllen. Der Rest errechnet sich von selbst und auch die Grafiken auf den weiteren Excel-Arbeitsblättern entstehen automatisch.

Zur Behandlung stehen Methoden aus folgenden therapeutischen Ansätzen zur Verfügung:

Auch wenn es viele therapeutischen Möglichkeiten zur Behandlung der artikulatorischen und prosodischen Störungen bei Sprechapraxie gibt, fehlen qualitative und quantitative Studien hohen Evidenzgrades zur Bestätigung der Wirksamkeit der Methoden. Die Mehrzahl der Evidenzen weist allerdings darauf hin, dass nichtsprachliche orofaciale Aufgaben (Mundmotorik) nicht geeignet sind, um Verbesserungen des Sprechens zu erreichen. Weitere Informationen hierzu unter:

Lauer, N. (2013). Mundmotorische Aufgaben in der Behandlung neurogener Sprechstörungen. Forum Logopädie, 2, 6-11.

Buch zur Sprechapraxie

Literatur

McNeil, M. R., Robin, D. A. & Schmidt, R. A. (1997). Apraxia of Speech: definition, differentiation and treatment. In: McNeil, M. R. (ed.). Clinical Management of Sensorimotor Speech Disorders. New York: Thieme, 311-344.

Lauer, N. & Birner-Janusch, B. (2010). Sprechapraxie im Kindes- und Erwachsenenalter. Stuttgart: Thieme.

Liepold, M., Ziegler, W. & Brendel, B. (2003). Hierarchische Wortlisten. Ein Nachsprechtest für die Sprechapraxiediagnostik. Dortmund: Verlag modernes Lernen Borgmann.

Die schöne Welt der Apps…

Studien zur Effektivität der Aphasietherapie zeigen, dass hochfrequentes Üben notwendig ist, um Sprachverbesserungen zu erreichen (s. Literatur unten). Daher bietet es sich an, dass Betroffene unter Anleitungen von LogopädInnen/SprachtherapeutInnen in der Therapie erarbeitete Leistungen z.B. über Apps zu Hause weiter üben.

Im Folgenden können Sie Listen herunterladen, die eine Zusammenstellung von Apps zu den Themengebieten „Aphasie“, „Unterstützte Kommunikation“ und „Akalkulie“ enthalten. Die Beschreibung enthält Informationen zu den Apps, aber auch Links, Kosten und eine Bewertung. Einige Apps mit Bewertungen haben Studierende des Studiengangs Logopädie der Hochschule Fresenius in meinem Wahlbereichsprojekt „Apps in der Logopädie“ beigesteuert. Vielen Dank dafür!

App-Listen zum Download

Apps zur Aphasie

Apps zur Unterstützten Kommunikation

Apps zur Akalkulie

Weitere interessante Informationen zu Apps bzw. PC-Einsatz in der Aphasietherapie erhält man auch über die Seiten von Alex Fillbrandt.

Literatur

Bhogal, S. K., Teasell, R., Speechley, M. (2003). Intensity of aphasia therapy, impact on recovery. Stroke, 34, 987-993.

Brady, M.C., Kelly, H., Godwin, J. & Enderby, P. (2012). Speech and language therapy for aphasia following stroke (Review). Cochrane Database of Systematic Reviews, Issue 5. Art. No.: CD000425. DOI: 10.1002/14651858.CD000425.pub3

Breitenstein, C., Grewe, T., Flöel, A., Ziegler, W., Springer, L. & Martus, P. et al. (2014). Wie wirksam ist intensive Aphasietherapie unter regulären klinischen Bedingungen? Die deutschlandweite Aphasieversorgungsstudie FCET2EC. Sprache Stimme Gehör, 38 (01), 14–19.

Grötzbach, H. (2004). Zur Effektivität von Aphasietherapie. Neurologische Rehabilitation, 10(1): 1-5.

Kelly, H., Brady, M. C., Enderby, P. (2010). Speech and language therapy for aphasia following stroke. Cochrane Database (5): CD000425

Kurland, J., Wilkins, A. R. & Stokes, P. (2014). iPractice: Piloting the effectiveness of a tablet-based home practicing program in aphasia treatment. Seminars in Speech and Language, 35 (1), 51-62.

Nobis-Bosch, R., Huber, W., Radermacher, I., Springer, L. (2009). Aachener B.A.Bar Lexikon-Training. Pforzheim: INCAP.