Therapie

Für die logopädische ZAVS-Behandlung stehen gemäß Heilmittelkatalog 2011 im Regelfall 10 bis maximal 20 Therapiestunden à 30-45 Minuten zur Verfügung.

Neben der Behandlung von ZAVS ist eine Beratung von Eltern und Erziehern bzw. Lehrern notwendig. Zudem ist zu klären, inwieweit die Hörumgebung des Kindes modifizierbar ist, um ein gutes Hören und Verarbeiten des Gehörten zu ermöglichen. Somit setzt sich die Therapie aus drei Bausteinen zusammen:

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Die individuelle Therapie sollte zielgerichtet auf die betroffenen Teilfunktionen ausgerichtet sein. Sie sollte einerseits von der Basis ausgehend (bottom-up) die zentral-auditive Verarbeitung trainieren und andererseits Strategien (top-down, z.B. Gedächtnisstraegien) einbeziehen, mit denen die Verarbeitung unterstützt werden kann.

Die therapeutischen Ansätze zur Behandlung der ZAVS lassen sich

  • teilfunktionsorientierte
  • psychomotorische
  • technische und
  • kompensatorische Ansätze

unterteilen. Die besten Untersuchungsergebnisse liegen derzeit im Bereich der teilfunktionsorientierten Ansätze vor (Einzel- oder Gruppentherapie, mit/ohne Computerunterstützung). Dabei wird auf die individuell vorliegenden Teilfunktionsstörungen eingegangen. Vom alleinigen Einsatz technischer Therapieansätze, bei denen mit Hilfe speziell entwickelter Geräte (nicht zu verwechseln mit PC-Programmen wie z. B. AudioLog) versucht wird, die Störungen zu beeinflussen, ist derzeit abzuraten. In diesem Bereich liegen noch keine nachvollziehbaren Ergebnisse vor, die den ausschließlichen Einsatz solcher Geräte in der Therapie auditiver Verarbeitungsstörungen rechtfertigen. Auch kompensatorische Ansätze erscheinen nicht sinnvoll, da eine reine Kompensation auditiver Störungen über visuelle Leistungen wenig effektiv erscheint. Eine Kombination von Ansätzen ist dagegen durchaus möglich. Wichtig ist vor allem, dass an der Verarbeitung verbaler Stimuli gearbeitet wird. Da nonverbale und verbale Stimuli in unterschiedlichen Hirnregionen verarbeitet werden, ist nicht davon auszugehen, dass eine nonverbal (Geräusche, Töne, Klänge) ausgerichtete Therapie zu einer Verbesserung der Verarbeitung sprachlicher Stimuli führt.

Küspert und Schneider (1999) konnten in Langzeitstudien nachweisen, dass ein bereits im Vorschulalter durchgeführtes, gezieltes Training auditiver Teilfunktionen die Auftretenswahrscheinlichkeit einer Lese-Rechtschreibschwäche bei Risikokindern um bis zu 80% senken kann. Daher sollte eine entsprechende Störung möglichst umgehend behandelt werden. Die gezielte Behandlung auditiver Verarbeitungsstörungen ist ab einem Alter von 5-6 Jahren am sinnvollsten. Hesse et al. (2001) konnten nachweisen, dass eine effektive Therapie mindestens bis zu einem Alter von 12 Jahren möglich ist.

 

Externe Evidenzen zur ZAVS-Therapie

Beispiele für Evidenzen bei sprachgebundenem Training

  • Bischof et al. (2002): Diskriminationsleistungen
  • Hesse et al. (1998): Überblick
  • Hesse et al. (2001): Stationäre Intensivtherapie
  • Tremblay et al. (2001): N1-P2-Komplex nach Sprachlauttraining
  • Hurford et al. (1990): Phonematische Diskrimination

Auch wenn es einzelne Hinweise auf Verbesserung zentral-auditiver Leistungen durch ein sprachgebundenes Training gibt, ist die generelle Forschungslage zu ZAVS als mangelhaft zu bezeichnen (Kiese-Himmel 2011). Es fehlen größere, vergleichbare Studien mit höheren Probandenzahlen. Daher sollte eine Behandlung stets kritisch reflektiert und therapiebegleitend diagnostisch abgesichert werden.

 

PC-Programme

Die unten dargestellte Tabelle enthält eine Beurteilung der aktuellen PC-Programme, die ergänzend zur teilfunktionsorientierten Therapie eingesetzt werden können. Hier ist für Therapeuten das Programm AudioLog 4 der Firma Flexoft (2010) besonders zu empfehlen, da es durch seinen großen Übungsumfang, seine gute Struktur und seine vielen individuellen Einstellungsmöglichkeiten eine gute Unterstützung der teilfunktionsorientierten Behandlung ermöglicht. Mit dem Programm lassen sich z. B. Selektion und dichotisches Hören gezielt trainieren.

Beispiele für Belege des Transfers auf Sprachentwicklung und Lese- und Rechtschreibleistungen
 
  • Hatcher et al. (2004): Effekt des Phonemtrainings für das Lesen
  • Lundberg (1994): Vorhersage von Leistungen im Lesen
  • Schneider et al. (1999): Prävention von Lesestörungen

Literatur
Audiva (2010). Hören und Bewegen. Kandern-Holzen: Audiva.
Bischof, J., Gratzka, V., Strehlow, U., Haffner, J., Parzer, P., Resch, F. (2002). Reliabilität, Trainierbarkeit und Stabilität auditiv diskriminativer Leistungen bei zwei computergestützten Mess- und Trainingsverfahren. Kinder- und Jugendpsychiatrie, 4, 261-270.
Coninx, F., Stumpf, P. (2007). Hören, sehen, lernen. Göttingen: Vandenhoek & Ruprecht.
Flexoft Education (2010). AudioLog. Version 4. Computerprogramm zur Förderung der auditiven Funktionen. Schwerte: Flexoft Education.
Hatcher, P. J., Hulme, C., Snowling, M. J. (2004). Explicit phoneme training combined with phonic reading instructions helps young children at risk of reading failiure. Journal of Child Psychol ogy and Psychiatry, 45, 338-358.
Hesse, G., Nelting, M., Mohrmann, B., Laubert, A., Ptok, M. (2001). Die stationäre Intensivtherapie bei auditiven Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörungen im Kindesalter. HNO, 49, 636-641.
Hesse, G., Nelting, M., Brehmer, D., Lemmermann, E., Ptok, M. (1998). Benefit-, Effektivitäts- und Effizienznachweis therapeutischer Verfahren bei zentral-auditiven Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörungen. Sprache-Stimme-Gehör, 22, 194-198.
Horsch, U., Ding, H. (1978). Sensomotorisches Vorschul­programm für behinderte Kinder. Heidelberg: Julius Groos.
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Krimm-von Fischer, C. (1979). Rhythmik und Sprach­anbahnung zur Förderung des entwicklungs­gestörten und des behinderten Kindes. Ravensburg: Maier, Ravensburg.
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