Diagnostik

In der Diagnostik von zentral-auditiven Verarbeitungsstörungen ist es notwendig, dass eine interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Therapeuten stattfindet. Die Diagnostik zentral-auditiver Verarbeitungsstörungen wird meist in sog. phoniatrisch-pädaudiologischen Ambulanzen, die an größere Kliniken angeschlossen sind, durchgeführt. Vereinzelt haben aber auch HNO-Ärzte die technischen Möglichkeiten zur Diagnostik dieses Störungsbildes. Dabei muss zuerst abgeklärt werden, ob das periphere Hören intakt ist. Erst dann sind Untersuchungen des zentralen Hörvermögens mit audiometrischen Testverfahren sinnvoll. Die genauere Bestimmung der Auffälligkeiten hinsichtlich der einzelnen auditiven Teilfunktionen wird von Logopäden mit psychometrischen Testverfahren vorgenommen. Die Behandlung zentral-auditiver Verarbeitungsstörungen werden von Logopäden durchgeführt und die Behandlungskosten bei Vorlage eines Rezeptes von den Krankenkassen übernommen. Bei der Diagnosestellung ist zu beachten, dass von einer ZAVS nur gesprochen werden sollte, wenn sich in mindestens 3 auditiven Teilfunktionen Auffälligkeiten zeigen. Dadurch soll vermieden werden, dass bereits bei Auffälligkeiten in einzelnen Teilfunktionsbereichen, wie z. B. der Aufmerksamkeit, die Diagnose ZAVS gestellt wird, ohne dass tatsächlich eine modalitätsspezifische Teilleistungsstörung vorliegt. Mit der Diagnosestellung sollte sehr vorsichtig umgegangen werden. Da die zur Verfügung stehenden Testverfahren in jüngerem Alter keine guten Ergebnisse liefern, kann eine sichere Diagnosestellung erst ab einem Alter von frühestens 5-6 Jahren erfolgen. Sichere - aber immer noch von erfahrenen Diagnostikern sorgfältig zu beurteilende - Ergebnisse liefern die audiometrischen Verfahren erst bei Kindern ab 7 Jahren. Über Screeningverfahren können erste Anhaltspunkte für die weitere Diagnostik gewonnen werden.

Sowohl bei den audiometrischen als auch bei den psychometrischen Verfahren ist es wichtig, darauf hinzuweisen, dass nicht das Ergebnis eines Testverfahrens allein dazu ausreicht, um von einer zentral-auditiven Teilfunktion zu sprechen. Es müssen immer mehrere Verfahren zur Diagnostik herangezogen werden. Daher ist eine gute Zusammenarbeit zwischen den diagnostizierenden Stellen erforderlich, um zu übereinstimmenden Ergebnissen zu gelangen. Die differenzierte Diagnostik ermöglicht es dem Logopäden, eine entsprechende, auf das jeweilige Kind abgestimmte Behandlung vorzunehmen.

Literatur
Lauer, N. (2006). Zentral-auditive Verarbeitungsstörungen im Kindesalter. Stuttgart: Thieme.
Nickisch, A., Heber, D., Burger-Gartner, J. (2001). Auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörungen bei Schulkindern. Dortmund: Verlag modernes lernen.