Symptomatik

In der Beschreibung der Symptomatik der Sprechapraxie werden 3 Bereiche unterschieden: Artikulation, Prosodie und Sprechverhalten

Artikulation

Es treten phonetische und/oder phonologische Fehler auf, wobei phonetische Fehler besonders typisch für Sprechapraxien sind. Unter phonetischen Fehlern versteht man Lautentstellungen, die zwar der Kategorie des Ziellautes noch zugeordnet werden können, aber artikulatorisch nicht korrekt gebildet werden. Beispiele hierfür sind Nasalieriungen nicht-nasal gesprochener Laute oder übermäßige Aspiration (Behauchung) stimmloser Plosiven.

Phonologische Fehler bei Sprechapraxie sind typischerweise Substitutionen (Ersetzungen, Bsp. Gett statt Bett)), Additionen (Hinzufügungen, Bsp. Brild statt Bild) oder Elisionen (Auslassungen, Bsp. Batt statt Blatt) von Lauten. Seltener treten sequentielle Fehler wie Antizipationen (Bsp. Tater statt Kater), progressive Assimiltationen (Bsp. Kaker statt Kater) oder Metathesen (Bsp. Taker statt Kater) auf. Phonetische und phonologische bzw. sequentielle Fehler können auch kombiniert auftreten.

Die Ausprägungen der Artikulationsfehler sind von folgenden Faktoren abhängig:

  • Sprechmotorische Komplexität: Je komplexer die lautliche Zusammensetzung eines Wortes, umso eher treten Artikulationsfehler auf.
  • Lexikalität: Realwörter können besser artikuliert werden als Pseudowörter.
  • Wortkategorie: Nomen werden fehlerfreier artikuliert als Verben.
  • Wortlänge: Mit Zunahme der Wortlänge nehmen Fehler mehr zu als statistisch zu erwarten wäre.
  • Konkretheit und Häufigkeit: Je konkreter und je hochfrequenter Wörter sind, umso weniger fehleranfällig sind sie.
  • Automatisierungsgrad: Je automatisierter Äußerungen sind, umso besser können sie artikuliert werden.
  • Lautposition: Anlaute sind häufiger betroffen als In- oder Auslaute.

Prosodie

Bei Sprechapraxien liegen neben artikulatorischen Fehlern auch primäre prosodische Defizite vor. Diese lassen sich in Störungen des Redeflusses und Störungen der Akzentuierung unterscheiden.

Störungen des Redeflusses:

  • silbisches Sprechen / skandierende Sprechweise (intersilbische Pausen)
  • intrasilbische Pausen
  • ungefüllte Pausen vor Initiierung des Sprechens
  • reduziertes Sprechtempo auch bei fehlerfreien Sequenzen
  • Iterationen von Anfangslauten und Silben
  • Lautdehnungen und -auslassungen

Störungen der Akzentuierung:

  • Akzentnivellierung (gleichmäßige Akzentuierung aller Silben)
  • Überakzentuierung
  • Akzentverschiebung (fehlerhafte Akzentuierung meist unbetonter Silben)

Sprechverhalten

Das Sprechverhalten von Menschen mit Sprechapraxie ist von folgenden Symptomen gekennzeichnet:

  • Suchbewegungen der Artikulationsorgane (bei Initiierung von Äußerungen oder während ihrer Realisierung, stumm oder hörbar)
  • Sprechanstrengung (mimische Mitbewegungen, Anspannungen im Gesichts-/Halsbereich, gepresste Stimme, erhöhte Sprechstimmlage)
  • Unzufriedenheit
  • Selbstkorrektur (die nur teilweise eine Annäherung an die artikulatorische Zielform zur Folge hat)

Literatur
Lauer, N., Birner-Janusch, B. (2010). Sprechapraxie im Kindes- und Erwachsenenalter. Stuttgart: Thieme.