Sprechapraxie
"Die Sprechapraxie ist eine phonetisch-motorische Störung bei intakten phonologischen Fähigkeiten, bei der es zu intra- und interartikulatorischen zeitlichen und räumlichen segmentalen und prosodischen Abweichungen kommt" (Mc Neil, Robin & Schmidt 1997).
Ätiologie und Lokalisation
Es handelt sich typischerweise um unilaterale Läsionen der sprachdominanten Hemisphäre im Bereich des Versorgungsgebietes der Arteria cerebri media. Sie treten häufig in Kombination mit Aphasien auf. Nur in etwa 10% der Fälle sind Sprechapraxien isoliert zu beobachten. Meist liegen vaskuläre Ursachen (58%) vor, aber auch Schädel-Hirn-Traumata, Tumore oder degenerative Erkrankungen können zu Sprechapraxie führen. Die genaue Lokalisation ist umstritten. Meist werden dem Broca-Zentrum benachnarte Areale als betroffen angenommen. Eine Sprechapraxie tritt oft, aber nicht immer in Verbindung mit einer bukkofazialen Apraxie (nicht-sprachliche orale Bewegungen betroffen) auf.
Prognose
Folgende Faktoren werden als günstig für die Rückbildung der Sprechapraxie angesehen (Wertz et a. 1984):
- geringes Ausmaß der Läsion
- wenig Begleitsymptomatik
- guter allgemeiner Gesundheitszustand des Betroffenen
- früher Therapiebeginn (innerhalb eines Monats nach dem Ereignis)
- Motivation des Betroffenen, an der Verbesserung des Sprechens zu arbeiten
Einordnung in Sprachproduktionsmodelle
Aichert und Ziegler (2004) beschreiben die Sprechapraxie als Störung im Zugriff auf sprechmotorische Programme. Nach dem (Levelt et al. 1999) werden niederfrequente Wörter aus einzelnen Segmenten, hochfrequente Wörter aber direkt aus im Silbenlexikon gespeicherten silbischen Programmen zusammengesetzt. Bei einer Sprechapraxie sind die Programme im Silbenlexikon beeinträchtigt, so dass fehlerhafte Programme abgerufen werden. Die Programmierung muss somit vermehrt einzelheitlich erfolgen, wobei auch hierbei Fehler auftreten können. Dies konnte über Studien zur Silbenfrequenz bestätigt werden (Aichert & Ziegler 2004). Somit spielen Silben eine zentrale Rolle bei der Programmierung von Sprechbewegungen. Silben sollten daher in der Behandlung von Menschen mit Sprechapraxie besondere Berücksichtigung finden. Nur wenn es bei sehr schweren Sprechapraxien nicht möglich ist, auf Silbenebene zu arbeiten, sollte die Einzellautartikulation geübt werden. Ansonsten sollte direkt mit Silben oder besser noch Wörtern gearbeitet werden. Dabei sind Aspekte wie Wortlänge und Silbenkomplexität besonders zu berücksichtigen.
Literatur
Aichert, I., Ziegler, W. (2004). Sprechapraxie und die Silbe. Theoretische Überlegungen, empirische Beobachtungen und therapeutische Konsequenzen. Forum Logopädie, 2, 6-13.
Levelt, W. J. M., Roelofs, A., Meyer, A. S. (1999). A theory of lexical access in speech production. Behavioral Brain Science, 22, 1-38.
McNeil, M. R., Robin, D. A., Schmidt, R. A. (1997). Apraxia of Speech: definition, differentiation and treatment. In: McNeil, MR. ed. Clinical Management of Sensorimotor Speech Disorders. New York: Thieme, 311-344.
Wertz, R. T., LaPointe, L. L., Rosenbek, J. C. (1984). Apraxia of Speech in Adults. The Disorder and its Management. Orlando: Grune & Stratton.
