Therapie

Von Cramon und Zihl (1988) weisen darauf hin, dass die Durchführung eines "gemischten Rechenprogramms" nicht sinnvoll ist. Die Therapie der Akalkulie sollte gezielt auf die Probleme und Bedürfnisse des Patienten ausgerichtet werden. Sofern eine berufliche Reintegration geplant ist und die Zahlenverarbeitung dabei eine wesentliche Rolle spielt, sollte unbedingt ein Neuropsychologe in die Behandlung einbezogen werden. Bei Patienten mit Akalkulie und Aphasie wird häufig das Therapieprogramm von Hüttemann (1998) eingesetzt. Es bietet Übungen zu folgenden Bereichen:

  • Numerische Basisprozesse (lexikalisches Entscheiden für Zahlwörter, Zahlwortvergleich)
  • Transkodierung (Punktmengen in Zahlen, Zahlen in Zahlwörter und umgekehrt)
  • Kalkulation (Magnitudenvergleich, Zahlenstrahl, Odd-even-Verfahren, Zählprozesse, Proximationsvergleich, Rechenzeichen, Grundrechenarten, Äquivalenzbestimmung) und
  • Praktische Aspekte der Zahlenverarbeitung (Uhrzeiten, Zahlungsmittel)

Während sich grundlegende Zahlenverarbeitungs- und Rechenfähigkeiten mit dem Material gut trainieren lassen, sind alltagsorientierte Übungen nur sehr begrenzt enthalten. Hüttemann (1998) verweist auf die Notwendigkeit der individuellen Übungsgestaltung alltagsorientierter Aufgaben. Girelli und Seron (2001) weisen darauf hin, dass Aufgaben zur Akalkulietherapie alltagsorientierter gestaltet werden sollten, um einen Transfer auf Anforderungen des alltäglichen Lebens zu ermöglichen.

Daher wurde 2010 in einer Veranstaltung des Studiengangs Logopädie an der Fachhochschule Fresenius in Zusammenarbeit mit Studierenden alltagsorientiertes Übungsmaterial zur Akalkulie-Therapie entwickelt. Es enthält Aufgaben zu folgenden Themenbereichen:

  • Uhrzeiten
  • Temperaturen
  • Geld
  • Backen
  • Waschen
  • Handwerken
  • Ausgehen
  • Autofahren
  • Fahrplan
  • Urlaub

Zu jedem Themenbereich gibt es mehrere Unterthemen. Für alle Unterthemen stehen je 10 Aufgaben für das Üben in der Therapie und 10 parallel konstruierte Aufgaben für das Üben zu Hause zur Verfügung. Für alle Aufgaben gibt es Lösungsblätter, anhand derer der Patient selbst seine Ergebnisse kontrollieren kann.

Zusätzlich kann das häusliche Üben durch Computerprogramme (s. Tabelle) unterstützt werden. Hierbei ist es erforderlich, in Absprache mit dem Therapeuten individuell geeignete Übungen auszuwählen.

Literatur
Cramon, von D., Zihl, J. (1988). Neuropsychologische Rehabilitation. Heidelberg: Springer.
Girelli, L., Seron, X. (2001). Rehabilitation of number processing and calculation skills. Aphasiology, 15, 695-712.
Hüttemann, J. (1998). Störungen der Zahlenverarbeitung. Hofheim: NAT-Verlag.
Lauer, N. (2011). Alltagsorientierter Umgang mit Zahlen. Eine Übungssammllung für Menschen mit neurologisch bedingten Problemen bei Zahlenverarbeitung und Rechnen. Köln: ProLog.