Symptomatik
Die Symptomatik der Akalkulie wird in folgende Bereiche unterteilt (Willmes 2006):
- Störungen des Transkodierens
- Störungen der quantitativen Größenrepräsentation (mentale Verarbeitung von numerischen Quantitäten), wie z.B. beim numerischen Größenvergleich
- Störungen der Verarbeitung von Rechenzeichen
- Störungen der (mündlichen/schriftlichen) Rechenfähigkeit
Störungen des Transkodierens
Hierbei handelt es sich um Störungen des Verstehens, Schreibens und (lauten) Lesens von Zahlen. Zahlwortklassen werden z. B. vertauscht (51 wird als 61 gelesen) oder der syntaktische Rahmen wird missachtet (50 wird zu 5). Mehrstellige Zahlen werden mitunter Schritt für Schritt entschlüsselt, so dass beim Schreiben nach Diktat die Zahl 3461 als 300040061 realisiert wird.
Störungen der quantitativen Größenrepräsentation
Bei den Betroffenen ist zu beobachten, dass es Ihnen schwer fällt, das Größenverhältnis zweier Zahlen zueinander zu bestimmen. So können Sie ggf. nicht beurteilen, ob die Zahl 52 größer oder kleiner als die Zahl 56 ist. Auch kann die numerische Mitte zwischen zwei Zahlen nicht angegeben werden. Dadurch können auch Rechenoperationen nicht korrekt ausgeführt werden und es zeigen sich Probleme beim approximativen (überschlagenden) Rechnen.
Störungen der Verarbeitung von Rechenzeichen
Gehörte oder geschriebene Rechenzeichen werden nicht verstanden oder verwechselt (z. B. x und +). In Rechenaufgaben können die Betroffenen oft nicht die korrekten Rechenzeichen ergänzen, wobei dies Menschen mit Wernicke-Aphasie insgesamt schwerer fällt als Menschen mit Broca-Aphasie.
Störungen der Rechenfähigkeit
Hier wird zwischen Störungen des arithmetischen Faktenabrufs und Störungen der Durchführung von Rechenoperationen unterschieden. Störungen des arithmetischen Faktenabrufs zeigen sich in Fehlern beim einfachen Addieren und Subtrahieren im Zahlenraum bis 20. Solche Aufgaben werden in der Regel nicht berechnet, sondern die Ergebnisse werden aus dem Langzeitgedächtnis abgerufen. Ist der Gedächtnisabruf erschwert, gelingt der Abruf des Ergebnisses nicht oder ist verzögert. Ist die Durchführung von Rechenoperationen gestört, können mehrteilige Rechenschritte nicht korrekt ausgeführt werden. Bei schriftlichen Additionen werden z. B. Zehnerbeträge nicht berücksichtigt und bei schriftlichen Subtraktionen wird das Zehnerborgen ausgelassen oder fehlerhaft ausgeführt. Es ist auch möglich, dass einzelne Rechenarten isoliert ausfallen. So können Betroffene mit leichter Aphasie oft noch Additionen und Subtraktionen durchführen, während Multiplikationen und Divisionen nicht mehr gelingen.
Literatur
Willmes-von Hinckeldey, K. (2006). Akalkulie. In: Karnath, H.-O., Hartje, W., Ziegler, W. (Hrsg.). Kognitive Neurologie. Stuttgart: Thieme.