Diagnostik
Die Wahl des diagnostischen Verfahrens hängt davon ab, mit welchem Ziel eine Rehabilitation angestrebt wird. Ist eine berufliche Rehabilitation geplant, sollten Verfahren durchgeführt, mit denen komplexe Rechenleistungen getestet werden können, und Neuropsychologen sollten in die Diagnostik und Therapie einbezogen werden. Willmes von-Hinckeldey (2006) empfiehlt in diesem Zusammenhang folgende Verfahren zur Untersuchung der Akalkulie:
- Zahlenverarbeitungs- und Rechentest (ZRT, Kalbe et al. 2002) gemeinsam mit dem Test für Kognitives Schätzen (TKS, Brand et al. 2002)
- Deutsche Fassung des EC 301 R (Claros Salinas 1994)
- Number Processing and Calculation Battery (NPC, Delazer et al. 2003)
Bei Betroffenen, die neben einer Akalkulie auch eine Aphasie aufweisen und bei denen es vor allem darum geht, dass sie in alltäglichen Aufgaben besser mit Zahlen zurechtkommen, bietet sich die Durchführung des Aiblinger Akalkulie Screenings an (AAS, Keller u. Maser 2004). Das AAS besteht aus zwei Testteilen. Der erste Teil enthält Aufgaben zu grundlegenden Fähigkeiten in folgenden Bereichen:
- Schreiben von Zahlen und Ziffern nach Diktat
- Lautes Lesen von Zahlen, Ziffern und Jahreszahlen
- Transkodieren von Zahlen in Zahlwörter und umgekehrt
- Verarbeiten von Rechenzeichen durch Einsetzen von Rechenzeichen in Rechenaufgaben
Erreicht der Patient im Teil 1 eine Gesamtpunktzahl von 12 oder mehr Punkten, kann Teil 2 des AAS durchgeführt werden. Im zweiten Teil geht es um alltagsnahe Aufgaben zu den Themen
- Umgang mit Geld (Schätzen, Rechnen, Rückgeld, Scheine und Münzen)
- Umgang mit Zahlen und einfache Rechenoperationen (Zahlen in Taschenrechner eingeben, Rezept umrechnen
- Ablesen der Uhr und Umgang mit Fahrplänen
- Berechnen von Terminen und Daten
Die Ergebnisse des Patienten können mit denen anderer Patienten bzw. den Ergebnissen älterer gesunder Probanden verglichen werden. Dadurch wird eine grobe Einschätzung des Schweregrads der Akalkulie möglich. Für die Therapieplanung ist neben der quantitativen Einschötzung eine qualitative Beurteilung der beobachteten Probleme wichtig.
Literatur
Brand, M., Kalbe, E., Kessler, J. (2002). Test zum kognitiven Schätzen (TKS). Weinheim: Beltz.
Claros Salinas, D. (1994). EC 301 R: Untersuchungsmaterial zu Störungen des Rechnens und der Zahlenverarbeitung. Konstanz: Kliniken Schmieder; 1994. (Deutsche Adaptation von: Deloche et al. (1993) The EC301 Assessment Battery for Brain Damaged Adults).
Delazer, M., Girelli, L., Grana, A., Domahs, F. (2003). Number processing and calculation – Normative data from healthy adults. Clinical Neuropsychology 17: 331-350.
Kalbe, E, Brand M, Kessler J. (2002). Zahlenverarbeitungs- und Rechentest (ZRT). Weinheim: Beltz.
Keller, I., Maser, I. (2004). Aiblinger Akalkulie Screening AAS. Hofheim: NAT-Verlag.
Willmes-von Hinckeldey, K. (2006). Akalkulie. In: Karnath, H.-O., Hartje, W., Ziegler, W. (Hrsg.) Kognitive Neurologie. Stuttgart: Thieme.