Akalkulie

Akalkulien sind Störungen im Umgang mit Zahlen und beim Rechnen (Ardila u. Rosselli 2002, Grafman u. Rickard 1997), die als Folge einer Hirnschädigung bei Erwachsenen auftreten können.

Zur Abgrenzung von entwicklungsbedingten Störungen im Umgang mit Zahlen und beim Rechnen werden erworbene Störungen als Akalkulie und Entwicklungsstörungen als Dyskalkulie bezeichnet.

Erste detaillierte Fallbeschreibung zur Akalkulie gibt es von Lewandowsky u. Stadelmann (1908). Der Begriff „Akalkulie“ wurde 1919 durch Henschen (1919) geprägt. Akalkulien treten oft mit Aphasien kombiniert auf, sind aber nicht auf die Aphasien zurückzuführen (Basso et al. 2005, Henschen 1920, Leischner 1957).

Akalkulien treten bevorzugt nach temporo-parieto-okzipitalen Schädigungen der linken Hirnhälfte auf (Keller u. Maser 2004).

Ausführliche Informationen zur Theorie der Akalkulie und den Grundlagen der Zahlenverarbeitung finden sich bei Willmes-von Hinckeldey (2006).

Literatur 
Ardila, A., Rosselli, M. (2002). Acalculia and dyscalculia. Neuropsychological Review, 12, 179-231.
Basso A., Caporali A., Faglioni P. (2005). Spontaneous recovery from aphasia. Journal of the International Neuropsychological Society, 11, 99-107.
Grafman, J., Rickard, T. (1997). Acalculia. In: Feinberg T. E., Farah M. J. (Eds.). Behavioral neurology and neuropsychology. New York: McGraw-Hill, 219-225.
Henschen, S. E. (1920). Klinische und anatomische Beiträge zur Pathologie des Gehrins. 5. Teil: Über Aphasie, Amusie und Akalkulie. Stockholm: Nordiska Bokandeln.
Henschen, S. E. (1919). Über Sprach-, Musik- und Rechenmechanismen und ihre Lokalisation im Großhirn. Zeitschrift für die gesamte Neurologie und Psychiatrie, 52, 273-298.
Keller, I., Maser, I. (2004). Aiblinger Akalkulie Screening AAS. Hofheim: NAT-Verlag.
Leischner, A. (1957). Die Störungen der Schriftsprache. Agraphie und Alexie. Stuttgart: Thieme.
Lewandovsky, M., Stadelmann, E. (1908). Über einen bemerkenswerten Fall von Hirnblutung und über Rechenströrungen bei Herderkrankungen des Gehirns. Zeitschrift für die gesamte Neurologie und Psychiatrie, 2, 249-265.
Willmes-von Hinckeldey, K. (2006). Akalkulie. In: Karnath, H.-O., Hartje, W., Ziegler, W. (Hrsg.). Kognitive Neurologie. Stuttgart: Thieme.