Auditive Verarbeitungsstörung

Screening für Auditive Verarbeitungsstörungen: Normwerterhebung und Überprüfung der Testgütekriterien bei siebenjährigen Kindern

Im Rahmen von zwei Masterarbeiten konnten für das Screening für Auditive Verarbeitungsstörungen (Lauer, 2014) Normdaten von 200 sprachgesunden Kindern erhoben werden. Diese wurden auf die Einflussfaktoren Geschlecht, Ein- vs. Mehrsprachigkeit und Zugehörigkeit zur ersten und zweiten Klasse überprüft. Hierdurch konnten Normwerttabellen für diesen Altersbereich erstellt werden (Tenhagen, 2018). Darüber hinaus wurden ebenfalls die Testgütekriterien der Reliabilität und der Validität überprüft (Diesburg, 2017). (Poster-Download)

In Planung sind zum einen die Veröffentlichung der Ergebnisse der Arbeiten, um sie für die praktische Anwendung zugänglich zu machen. Zum anderen findet eine Zusammenarbeit mit AudioLog (flexoft, 2011) statt, um die Nutzung der Software für das Screening einfacher zu gestalten.

Diesburg, D. (2017). Reliabilität & Validität des Screenings für Auditive Verarbeitungsstörungen nach Lauer für 7-jährige Kinder. Unveröffentlichte Masterarbeit, RWTH Aachen University.
Flexoft (2011). Audiolog 4. Berlin: Hemera Technologies Inc.
Lauer, N. (2014). Auditive Verarbeitungsstörungen im Kindesalter. Stuttgart: Georg Thieme Verlag.
Tenhagen, A. (2018). Normierung des Screenings für Auditive Verarbeitungsstörungen nach Lauer für 7-Jährige. Unveröffentlichte Masterarbeit, RWTH Aachen University.
Generelle Informationen zu Auditiven Verarbeitungsstörungen

Informationen und Literatur zu Auditiven Verarbeitungsstörungen bei Kindern findet man auch unter den Begriffen

  • Auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung (AVWS)
  • Auditive Wahrnehmungsstörung
  • Auditive Perzeptionsstörung
  • (Central) Auditory Processing Disorders ((C)APD)

Das Störungsbild der auditiven Verarbeitungsstörungen ist in der Fachliteratur umstritten, da die physiologischen Grundlagen immer noch zu wenig erforscht sind und keine Evidenzen dafür vorliegen, dass ein ausschließliches Training der auditiven Verarbeitung zu Verbesserungen höherer kognitiver Leistungen (z. B. der phonematischen Bewusstheit oder des Lesens und Schreibens) führt. Beim Vorliegen von Lese-Rechtschreibstörungen ist ein Training der auditiven Verarbeitung nicht adäquat.

Sofern eine Behandlung der auditiven Verarbeitung erfolgt, sollte engmaschig evaluiert werden, ob dieses eine positive Auswirkung auf andere Funktionen hat. Falls nicht, sollte das Training der auditiven Verarbeitung nicht fortgeführt werde.

Die Behandlung auditiver Verarbeitungsstörungen setzt sich aus folgenden Komponenten zusammen:

1. Beratung von Eltern und Pädagogen (Erzieher, Lehrer)
2. Auditives Training
  • Bottom-up: Training auditiver Teilfunktionen inkl. eines computerunterstützten Trainings mittels geeigneter PC-Programme, wie z. B. AudioLog 4
  • Top-down: Vermittlung von Kompensationsstrategien
3. Modifikation der Hörumgebung (v.a. schulisches Umfeld)

Abzuraten ist von der Behandlung mit technischen Hilfsmitteln, z.B. zum Ordnungsschwellentraining, Lateraltraining oder der Tomatis-Therapie. Es gibt keine Evidenzen, dass diese Methoden zu nachhaltigen Verbesserungen der Symptomatik führen.

Das nebenstehende Buch stellt den aktuellen Stand der Forschung dar. Einen Einblick in die aktuelle Evidenzlage erhalten Sie auch im Artikel:

Lauer, N. (2014). Evidenzbasierte Betrachtung auditiver Verarbeitungsstörungen. Forum Logopädie, 1, 2-9.

Buch zu auditiven Verarbeitungsstörungen